CIM auf dem Deutschen Materialflusskongress 2025

Hannelore Mayr, Geschäftsführerin der CIM GmbH, war für uns auf dem Deutschen Materialflusskongress an der TU München vor Ort. Unter dem diesjährigen Leitthema „future.meets.logistics – Was bringt die Zukunft?“ trafen sich dort Unternehmen, Hochschulen und Fachleute, um aktuelle Entwicklungen, Innovationen und Zukunftsstrategien der Intralogistik zu diskutieren.

02. April 2025
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Im Mittelpunkt des Kongresses standen zentrale Fragen: Wie lassen sich Flexibilität, Intelligenz und Nachhaltigkeit in die Logistikprozesse integrieren? Und welche Technologien werden dabei künftig eine Schlüsselrolle spielen? Besonders spannend waren für Frau Mayr die folgenden Themen und Impulse aus den Fachvorträgen und Diskussionen:

Die Bedeutung von KI in der Logistik

Eine der zentralen Erkenntnisse des Kongresses war die wachsende Relevanz von Künstlicher Intelligenz (KI) für die Logistik. Laut einer aktuellen Bitkom-Studie setzen bereits 17 % der Unternehmen KI aktiv ein, während weitere 40 % den Einsatz in naher Zukunft planen – mit besonders hohen Zahlen in den Bereichen IT und Robotik.

Prof. Dr. Michael ten Hompel: Die Zukunft der KI

In seinem Vortrag betonte Prof. Dr. Michael ten Hompel, ehemaliger Institutsleiter des Fraunhofer IML, die tiefgreifenden Veränderungen, die KI in naher Zukunft mit sich bringen wird. Er präsentierte ein Modell mit fünf Entwicklungsstufen der Künstlichen Intelligenz. Besonders spannend ist die aktuelle Phase: KI beginnt, eigenständige Fähigkeiten zu entwickeln, die nicht explizit einprogrammiert wurden – etwa die Fähigkeit, automatisch Vorlesungen in verschiedenen Sprachen zu halten.

„Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.“

Ein afrikanisches Sprichwort

Interessante Fakten aus seinem Vortrag:
  • 123.000 Autonome Mobile Roboter (AMRs) wurden allein im Jahr 2023 verkauft.
  • Ten Hompel sprach sich klar für Open-Source-Lösungen aus und stellte unter anderem die „Open Logistics Foundation“ sowie ein agentenbasiertes Betriebssystem für die Intralogistik vor.
  • Besonders ein afrikanisches Sprichwort, das er zitierte, blieb im Gedächtnis: „Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.“

KI-Modelle und Simulation

Ein weiteres spannendes Thema war das Sprachmodell Teuken-7B, das speziell für europäische Sprachen entwickelt wurde und einen Fokus auf Logistik-Anwendungen legt. Laut Experten ist es sogar präziser als bekannte Modelle wie Llama oder Mistral. Auch Simulationen gewinnen an Bedeutung – vor allem in der Robotik. Sie ermöglichen es, Algorithmen risikofrei zu trainieren und zu optimieren, bevor diese in der Praxis eingesetzt werden.

Yan Rudall, Director Robotics & Machine Laerning, KION Group: Partnerschaften und Automatisierung

Die KION Group verfolgt einen klar strukturierten Automatisierungsansatz – in Zusammenarbeit mit NVIDIA und Accenture. Ziel ist eine schrittweise Transformation:

  1. Manuelle Stapler automatisieren
  2. Automatisierung flexibel gestalten
  3. Simulation und kontinuierliche Optimierung mittels digitaler Zwillinge

Ein besonders interessanter Aspekt ist der Einsatz von KI und Kameras zur Kollisionsvermeidung. Zudem kann KI entscheiden, ob eine Ladung von einem Menschen oder einem autonomen Stapler übernommen werden soll.

Ein KUKA Roboter in der Automobilindustrie.

Dr. Stephan Peters, Vorstand Rhenus Logistics: Herausforderungen und Strategien

Rhenus verfolgt bislang einen eher pragmatischen Automatisierungsansatz, um flexibel auf Kundenbedürfnisse reagieren zu können. Ein strategischer Schritt war die Übernahme von Setlog, einem Anbieter von Supply-Chain-Management-Software. Eine wesentliche Herausforderung bleibt jedoch die Finanzierung von Cloud-Lösungen – denn nicht alle Unternehmen verfügen über die entsprechenden Ressourcen.

Brownfield Operations: Optimieren im laufenden Betrieb

Ein spannendes Konzept wurde unter dem Begriff „Brownfield Operation“ vorgestellt. Dabei geht es darum, bestehende Prozesse im laufenden Betrieb schrittweise zu modernisieren – in Phasen, um Effizienzgewinne zu realisieren, ohne die Abläufe zu unterbrechen.

Sensoren und Echtzeit-Daten

Sensorik spielt eine zunehmend zentrale Rolle in der Intralogistik – vor allem zur Vermeidung von Überproduktion und Sicherheitsrisiken. Ein Beispiel sind kleine Karten mit integrierten Chips, die Echtzeitdaten direkt an das Warenwirtschaftssystem übermitteln. Das ermöglicht eine effizientere Bestands- und Rückführlogistik – mit deutlichen Kosteneinsparungen.

Adaptive Sicherheit für AMRs

Moderne Autonome Mobile Roboter (AMRs) werden immer intelligenter. Sie passen sich aktiv an ihre Umgebung an – etwa durch Reduzierung der Geschwindigkeit, wenn sich Menschen in der Nähe befinden. Das erhöht die Sicherheit im Lagerbetrieb und verbessert gleichzeitig den Materialfluss.

Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand. Der Roboterarm unterstützt den Handwerker bei der präzisen Bearbeitung des Holzes, was zu einer effizienteren Produktion führt. Ein eindrucksvolles Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technologie.

Viastore: Digitale Zwillinge zur Kostensenkung

Auch Viastore setzt auf digitale Zwillinge, um die Inbetriebnahmekosten zu senken und gleichzeitig Prozesse effizienter zu gestalten. Diese Technologie eröffnet neue Potenziale in Planung, Steuerung und Simulation.

Sprachassistenten in der Logistik

Ein besonders zukunftsweisendes Thema war der Einsatz von KI-basierten Sprachassistenten in der Lagerlogistik. Im Vergleich zu klassischen „Pick-by-Voice“-Systemen sind sie in der Lage, komplexere Anweisungen präziser zu verarbeiten. Gleichzeitig zeigen Tests, dass Scanner-Systeme weiterhin sehr effizient arbeiten. Eine hybride Zukunftslösung könnte daher in der Kombination aus Sprachassistenten, Scannern und Datenbrillen liegen.

Fazit: Die Zukunft der Logistik ist digital und KI-getrieben

Der Materialflusskongress 2025 hat deutlich gemacht, wie sehr Künstliche Intelligenz, Automatisierung und digitale Zwillinge die Logistikbranche verändern – und welche Chancen sich daraus ergeben. Es ist eine spannende Zeit für Innovationen. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Technologien strategisch sinnvoll zu integrieren und sie gezielt für Wettbewerbsvorteile zu nutzen.


„Nur Mut – es gab kaum bessere Zeiten, um in Zukunftstechnologien zu investieren.“